Mira spring auf und läuft unruhig umher.

Das ist jetzt das dritte Mal innerhalb weniger Minuten. Geduldig schaut Jonah zu, wie sie zum Fenster geht und es weit aufreißt. Die Nachluft ist kühl und frisch und bildet einen angenehmen Kontrast zu der verbrauchten Luft in ihrem Zimmer.

So plötzlich wie sie aufgesprungen ist, sitzt sie wieder auf ihrem Stuhl. Spöttisch sieht sie Jonah an, während sie ein imaginäres Staubkorn von der Bluse schnippt:

"Also, du Schlauer, was willst du mir sagen?"

Langsam stellt Jonah die Teetasse auf den Tisch.

„Ich mache mir Sorgen um dich. Und ich möchte wissen, was mit dir los ist? Warum sehe ich dich nicht mehr, warum kommst du nicht mehr in die Gemeinde?"

"Was los ist? Lebst du unter einem Stein?"

Mira schreit fast. Wütend betrachtet sie Jonah, ihre Füße klopfen ein lautes Stakkato auf den Boden.

"Ich sag’s dir ganz direkt: Bei mir läuft es Scheiße! Mein Bruder ist gestorben, meine beste Freundin ist zu ihrem Lover ans andere Ende der Welt gezogen und meinen Job bin ich auch los. Seit drei Monaten ist mein Leben eine einzige Katastrophe! Hast du noch mehr Fragen?"

Angriffslustig trommeln ihre Finger auf den Tisch.

Jonah beugt sich ein wenig nach vorn: "Mira, das tut mir sehr leid. Und nein, ich wußte nicht, wie es dir geht, denn ich habe dich seit Wochen nicht gesehen. Aber jetzt bin ich hier und ich höre dir zu …“

Argwöhnisch mustert Mira ihr Gegenüber. "Willst du das wirklich hören? Ich will nicht, dass du schreiend aus dem Fenster springst. Das ist nämlich das, was ich manchmal am liebsten tun würde …" Sie stockt und wischt sich eine Träne aus den Augen.

„Na, da würden die Nachbarn aber Augen machen!“, scherzt Jonah. "Du wohnst schließlich im Erdgeschoss."

Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Dann fängt sie an, zu erzählen. Fast eine Stunde redet sie. Ihr ganzes Leid und ihren Schmerz bereitet sie vor Jonah aus. Schließlich steht sie auf und schließt das Fenster: „Boah, langsam wird’s kalt hier, oder?“

Jonah nickt.

Gebete in höchster Not, der kleinen und der großen

„Verstehst du jetzt, warum ich erst mal Abstand brauchte von der Gemeinde? Fromme Sprüche helfen mir nicht weiter. Am Anfang habe ich viel gebetet, aber da war nichts. Keine Reaktion! So sehr habe ich mir gewünscht, dass Jesus kommt und mich in den Arm nimmt …“

Tränen sammeln sich in ihren Augenwinkeln, als sie daran zurückdenkt, wie sie sich nach den tröstenden Armen Jesu sehnte, aber ihre Bitten ignoriert wurden.

„Du hast gebetet, das ist gut!“ Jonah lässt ihr Zeit, ihrer Gefühle Herr zu werden. „Gott verlässt uns nicht, niemals, und er hört unsere Gebete. Auch wenn wir keine Reaktion sehen. Aber ich weiß, solche Weisheitsbomben helfen dir nicht weiter.“

Mira nickt. „Eben!“

Jonah macht eine Pause und schließt die Augen. Er bittet Jesus um die richtigen Worte und fährt dann fort (Nehemia 2,4) : „Hast du mit jemandem aus der Gemeinde gesprochen und ihr oder ihm davon erzählt?“

„Nein“, Mira zieht die Augenbrauen zusammen, „auf Sprüche hatte ich echt keinen Bock! Ich weiß, dass Andreas hier war und Corinna stand auch mal vor der Tür. Aber ich hab’ nicht aufgemacht.“ Trotzig verzieht sie ihren Mund.

Gott nutzt gerne andere Menschen, um uns zu berühren

„Mira, du bist unglaublich!“

Fragend sieht sie ihn an. Jonah grinst über das ganze Gesicht und verschränkt die Arme vor der Brust.

„Du rufst Jesus und bittest ihn, dich in den Arm zu nehmen – und dann lässt du ihn vor der Tür stehen.“

„Das muss man sich mal trauen …“, setzt er mit einem Augenzwinkern nach.

Mira wird blass. Sie ahnt, was ihr Jonah gerade sagen will:

Jesus berührt uns durch andere Menschen.

Gott hat ihr Gebet erhört! Und er hat reagiert. Er hat ihr Menschen vorbeigeschickt. Seine Kinder selbst hat er geschickt. Sie standen vor ihrer Tür und haben geklopft. „Woher wußten sie überhaupt davon?“, schießt es ihr durch den Kopf. Im selben Augenblick wird ihr klar, dass sie die Antwort auf diese Frage kennt.

„Und ich habe es nicht gesehen …“

Fassungslos starrt sie Jonah mit weit aufgerissenen Augen an.

Lächelnd steht er auf und breitet die Arme aus: „Darf ich dich einmal in den Arm nehmen?“

Der Jesus-Journalist ✍️

P. S.

Die Bibel kennt uns in- und auswendig. Ihre Wahrheit können wir überall in unserem Leben erkennen. Das war und ist zu allen Zeiten so.

Der Funke für diese Geschichte war ein Psalm:

„Als mein Herz verbittert war und ich mich tief verletzt fühlte, da war ich töricht und ohne Einsicht, verständnislos wie ein Tier stand ich vor dir.“
(Psalm 73,21-22; NGÜ)

Auf Jesusjournal gibt es eine kleine Serie, wie Gott Menschen als seine Werkzeuge nutzt:

Da sprach der König zu mir: „Was erbittest du denn?“ Da flehte ich zu dem Gott des Himmels (und dann sagte ich zu dem König …)
(Nehemia 2,4, Schlachter)

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