Kleine Begegnungen können große Auswirkungen haben.

Gestern Mittag laufe ich mit dem Hund die Straße entlang. Plötzlich kommt uns ein junger Mann auf seinem Elektroroller entgegen. Mit einem Affenzahn schießt er den Gehweg entlang. Von Weitem erkenne ich, dass er „südländischen Migrationshintergrund“ hat, sprich: Er wirkte auf mich wie jemand aus Syrien, dem Iran oder einem anderen Land dieser Region.

Warum erzähle ich das?

Weil ich genervt war. Ich wäre von jedem genervt gewesen, der mir auf diese Weise gefährlich nahe gekommen wäre. Aber sein „ausländisches“ Aussehen machte es auf gewisse Weise „noch schlimmer“. Und das gibt mir zu denken …

Übrigens, der Herr hat es nicht versäumt, mir gleich an dieser Stelle ein wenig Hilfestellung zu geben. Als der junge Mann nur noch ca. fünf Meter entfernt ist, kann ich erkennen, was da eigentlich für ein fettes, weißes „Logo“ auf seiner schwarzen Basecap prangt …

Ein Kreuz.

Uups, das passt gar nicht zu meinem Vorurteil?!? Ein wenig beschämt gehe ich weiter.

Ich gebe zu, mit Menschen aus der o.g. Weltregion habe ich so meine Probleme. Sie „passen“ mir nicht. Ich habe eben meine Vorurteile und meine Überzeugungen und sehe diese oft bestätigt. Tatsächlich bin in den vergangenen drei Jahren zweimal kräftig auf die Nase gefallen.

Denk daran: Was wir glauben, bestätigt sich über kurz oder lang in unserem Leben.

Doch andererseits habe ich auch liebe Geschwister aus „diesen Ländern“. Ein iranischer Bruder ist schon lange bei mir im Hauskreis. Ein anderer ist mit seiner Familie nach Hamburg gezogen und neulich habe ich ihn dort besucht.

Dennoch habe ich von diesen Menschen ein pessimistisches Menschenbild. Und das tut mir leid. Glaub mir, ich kämpfe dagegen an, ich will das nicht … doch ohne Jesu Hilfe wird es nicht gelingen.

Drehe ich den Rücken, ist es wieder da: mein altes Ich.

C. S. Lewis hat dieses Problem einmal mit folgendem Bild beschrieben:

Unser geistliches Leben gleicht einem Haus. Mehr oder weniger große Teile davon halten wir ganz passabel in Ordnung. Im Gottesdienst, da sind wir im Wohnzimmer. Das ist der Teil der Wohnung, wo wir Besuch empfangen, alles ist picobello und in Ordnung.

Die Küche ist unser Familien- und Arbeitsleben. Hier kommt schon mal was durcheinander und wir müssen regelmäßig aufräumen. Im Schlafzimmer leben wir unsere Beziehungen. Deshalb gilt: Staubwischen nicht vergessen!

Und dann gibt es noch den Keller.

Wenn wir dort hinuntergehen, dann kann es passieren, dass wir Ratten aufscheuchen. Aufgeregt und hässlich wuseln sie umher und suchen die nächste dunkle Ecke, in der sie sich verkriechen können.

Im Keller zeigt sich, wie gepflegt ein Haus tatsächlich ist.

Und so viel Mühe wir uns oben auch geben, hier unten wird die Schlacht geschlagen. Unser Kampf des Glaubens findet auf dieser Ebene statt. Eine Ebene, die ausserhalb unserer Kontrolle liegt und die wir nicht wirklich beeinflussen können.

Doch Jesus kann es.

Lass uns daran denken:

Der Glaube ist nie ein Besitz, den man hat. Er ist immer ein Geschenk, das man erbittet und bekommt.

Deshalb gibt es nur eins: hin zu Jesus.

Bei mir konkret: Nur in seiner Liebe kann es gelingen, dass ich diese Menschen liebe. Jesu Liebe ist so unendlich viel größer als meine kleine Weltanschauung.

Jesu Liebe macht es möglich, dass sich in mir ein optimistisches Menschenbild entwickelt …, und zwar von jedem Menschen.

Ich möchte keine Ratten aufscheuchen, wenn ich in meinen Keller gehe.

Wo ist dein Keller?

Der Jesus-Journalist ✍️

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