Neulich habe ich eine Geschichte gehört, die ist zu schön, um wahr zu sein.

Oder ist sie zu traurig, um schön zu sein?

Am besten, du entscheidest selbst:

🍌 Nur eine Banane …

Schauplatz ist eine Essensausgabe für bedürftige Menschen in Florida. Der Ort also, den wir in Deutschland eine Tafel nennen.

Vor dieser Tafel steht eine lange Schlange mit Menschen. Alle hoffen auf Essen, auf ein wenig Reis, ein paar Konserven und vielleicht ein paar Stücke Obst. Auch das junge Mädchen, das ganz hinten geduldig in der Schlange wartet, macht keine Ausnahme davon.

Auffällig ist nur, dass sie immer wieder auf die gegenüberliegende Straßenseite blickt. Es scheint, als würde sie dort etwas suchen …

Langsam rückt sie vorwärts, näher und näher an die Lebensmittel-Ausgabe heran. Die Menschen um sie herum werden unruhig. Nervös flüstern sie sich die schlechte Nachricht zu: „Heute wird es nicht für alle reichen! Die Essensausgabe hat nicht genug Lebensmittel.“

Alles drängt nach vorn. Näher an die Ausgabe, näher an die Lebensmittel …

Das Mädchen scheint seltsam unberührt. Geduldig steht sie an, ihre einzige Sorge gilt den drei Gestalten, die sich auf der anderen Straßenseite im Schatten eines Baumes zusammengekauert haben.

Endlich ist sie dran.

Klein und einsam steht sie als die Letzte aus der Schlange vor der Ausgabe. Der ca. 35-jährige Mann, der heute das Essen ausgibt, heißt Jonah. Er macht diesen Job schon seit zwei Monaten, doch so unwohl wie heute hat er sich noch nie gefühlt. Mit Tränen in den Augen und zutiefst beschämt schaut er das Mädchen fast schon verlegen an. Mit leiser Stimme sagt er: „Es tut mir so leid, aber wir haben nichts mehr, was ich dir geben kann. Nur eine einzige Banane ist noch übrig, die kann ich dir geben.“

Zögerlich beugt er sich vor und streckt seine Hand aus, auf der eine einsame, gelb-braune Banane liegt.

Das Mädchen scheint das nicht stören. Freudige Erwartung huscht über ihr Gesicht, als sie das kostbare Geschenk leise aus der Hand des Mannes nimmt. Sie wirft ihm ein scheues Lächeln zu, dreht sich um und läuft dann schnurstracks auf die gegenüberliegende Straßenseite.

Im Schatten des Baumes kauert sie nieder.

„Wartet kurz, ich muss die Banane noch teilen!“

Die drei kleinen Kinder warten ebenso geduldig, wie schon das Mädchen zuvor gewartet hatte. Hungrig schauen sie zu, wie ihre „große“ Schwester bedächtig die Banane schält und dann sorgfältig in drei Teile zerbricht.

„Eine für dich, eine für dich und hier ist eine für dich!“ Vorsichtig legt sie die Bananenteile in die kleinen Hände ihrer Geschwister. Fast schon andächtig beginnen die Kleinen zu essen.

Das Mädchen schaut kurz zu. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Anschließend nimmt sie die Bananenschale, kauert sich neben die Kleinen auf den Boden und beginnt, das Innere abzulecken, um selbst satt zu werden.

Jonah wird noch oft über diesen Tag nachdenken. Die Begegnung mit dem geduldigen Mädchen hat ihn tief bewegt und nachhaltig geprägt. Manchmal erzählt er von diesem Tag. Wenn ihn dann jemand fragt, was genau passiert ist, dann antwortet er immer mit den gleichen Worten:

„Ich glaube, ich habe an diesem Tag Jesus ins Gesicht gesehen.“

Dieser Satz ist nun wahrlich so schön, dass ich es für heute damit bewenden lassen möchte.

Praktische, tätige und hingebungsvolle Nächstenliebe, die aus echtem Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein gegenüber meinem Nächsten erwächst, das ist der Stoff, der die Nachfolger Jesu formt.

gez. Der Jesus-Journalist ✍️


P. S. Noch ein kleiner Hinweis von Thorsten:

Wenn du Jesus treffen willst, dann geh doch mal zu einem der Tafel-Läden, die es in Deutschland gibt. In deiner Stadt gibt es bestimmt auch einen oder mehrere. Dort kannst du die Arbeit Jesu tun, indem du Menschen hilfst, die nicht genug haben und tätige Liebe übst.

Und wenn du selbst bedürftig bist, dann geh auch dahin, denn da sind Menschen, denen du nicht peinlich bist und die sich nicht scheuen, dir zu helfen. Sei mutig und lass dir helfen und geh hin.

Die Webseite von Tafel Deutschland e.V.: Tafel.de


Der Beitrag basiert auf "Just one Banana" von Medard Laz

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